Digital Amok: WTO Special


  » Fallbeispiel Vietnam

Die Folgen des WTO-Beitritts für die Armen in den ländlichen Gebieten Vietnams

Ein Beitrag von Minh Bui Duc
 

Nach dem Abschluss der bilateralen Verhandlungen mit China über einen WTO Beitritt im Juli strebte die Regierung Vietnams eine Beendigung der restlichen bilateralen und multilateralen Verhandlungen an, um eine WTO-Mitgliedschaft spätestens 2006 zu erreichen. Viele Wirtschaftsexperten haben mitgeteilt, dass in China dreineinhalb Jahre nach dem WTO-Beitritt das Einkommen der Bauern eben dadurch gesunken ist. Wie wird der WTO-Beitritt Vietnams den Lebensstandard der Bauern beeinflussen?

:: Folgen für die ländliche Bevölkerung

Der WTO-Beitritt birgt viele Chancen, aber auch eine Menge Herausforderungen für Vietnam. Diese Herausforderungen beziehen sich auf alle wirtschaftlichen Gebiete, besonders aber auf die Landwirtschaft. Die größten Herrausforderungen liegen zurzeit im US-Vietnamesischen bilateralen Handelsankommen (BTA) und in der südostasiatischen Freihandelszone (AFTA). Die Einflüsse der WTO sind jedoch aus zwei Gründen noch stärker:

    - Die Regeln der WTO sind umfangreicher und anspruchsvoller als BTA und AFTA und gelten für alle WTO-Mitgliedsstaaten, die mit Vietnam Handel treiben.
    - Die WTO-Mitglieder haben das Recht, Regeln für die Beitrittskandidaten festzulegen. China zum Beispiel ist erst seit 4 Jahre in der WTO, hat aber schon Schwierigkeiten für Vietnam verursacht. Im Falle eines Beitritts muss Vietnam jegliche Subvention für Landwirtschaft abbauen, während einige westliche Länder wie die USA, die EU und Japan, die schon seit der WTO-Gründung dabei sind, jährlich mit bis zu 300 Milliarden Dollar ihre Landwirtschaft subventionieren.

Die ländlichen Gebiete Vietnams sind wegen der unterentwickelten Agrartechnologie am stärksten betroffen. Die Produktivität ist noch ziemlich gering, wobei die Produktionskosten sehr hoch sind.

Auch die Infrastruktur des ländlichen Vietnams ist sehr rückständig - trotz einiger Entwicklungen in der letzten Zeit. Durch die schlechte Infrastruktur und mangelnde Entwicklung von Häfen erhöhen sich die Transportkosten. In diesem Zustand werden die ländlichen Gebiete und die Agrarproduktion bedroht durch den negativen Einfluss der Globalisierung, insbesondere bei Cash Crops wie Mais, Zucker oder Baumwolle.

Die verschiedenen Wirtschaftsreformen, und besonders die ausländischen Investitionen, konzentrieren sich meist auf städtische Gebiete. Dadurch kommt es zu einem wirtschaftlichen Ungleichgewicht und die ländlichen Gebiete werden kaum davon profitieren können.

Wenn es keine besonderen Maßnahmen zur Unterstützung der Bauern und der verarmten Bevölkerung geben sollte, werden die Einflüsse der WTO die Kluft zwischen Stadt und Land noch weiter vergrößern.

:: Die Maßnahmen der Regierung, um die Interessen der Bauern und der armen Bevölkerung nach einem WTO-Beitritt zu schützen

Die Einwohnerzahl Vietnam beträgt 83 Mio., mit einem Prokopfeinkommen von ca 530 US-Dollar. Etwa 75% dieser Einwohner wohnen auf dem Land, (in absoluten Zahlen ca. 62 Mio. Menschen), und 40% dieser Menschen leben unter der Armutsgrenze. Im Falle eines WTO-Beitritts muss die Regierung eine Politik realisieren, die diese Menschen unterstützt. Im Jahre 2004 ist das BIP Vietnams um 7,7% gestiegen.

Die industrielle Branche, die sich auf städtische Gebiete konzentriert steigerte sich um16% und die Landwirtschaft um 3,5%. Ein wirtschaftliches Wachstum bedeutet aber nicht gleichzeitig, dass es zu einem Gleichgewicht in der wirtschaftliche Entwicklung führen muss und es bedeutet noch längst nicht, dass das Leben der armen Bevölkerung dadurch verbessert werden kann.

Konkrete Ergebnisse der bilateralen und multilateralen Verhandlungen in der WTO-Runde werden nicht bekannt gegeben. Aber aufgrund verschieder Berichte hat die Regierung versucht, einige Maßnahmen zu ergreifen:

    - Vietnam hat um mehr Zeit für die Realisierung der Landwirtschafts- reformen gebeten, um die Klein-Bauern vor hoher Konkurrenz durch importierte Agrarprodukte zu schützen.

    - Vietnam verspricht eine Beibehaltung der Mindestzölle auf Importprodukte um die Bauern zu schützen.

    - Die Regierung hat die Bauern zu einer besseren Art der Agrarwirtschaft geführt mit mehr Priorität auf Leichtindustrie.

    - Vietnam hat auch versprochen, einen Importmarkt für Agrarprodukte zu entwickeln.

Kambodscha kann als Beispielfall für Vietnam gesehen werden. Nach dem WTO- Beitritt Kambodschas durfte der Zoll auf Importprodukte nicht mehr über 60% steigen, während die EU ihren Höchstzoll bei 262%, die USA bei121% und Kanada bei 120% hat.

Ähnlich wie in Vietnam ernährt die Landwirtschaft in Kambodscha 80% der Einwohner. Eine schnelle Öffnung der Landwirtschaft und eine Senkung der Zölle bringt viel mehr Nach- als Vorteile mit sich.

Auch viele sozialistische Gesellschaftsstrukturen werden schnell durcheinander geraten, sollte der Staat aufgrund geringerer Zolleinnahmen Verlust machen.

:: Schlussbetrachtung

Die arme Bevölkerung in ländlichen und städtischen Gebieten sind die Menschen in der Gesellschaft, die am wenigsten Vorteile durch eine wirtschaftliche Entwicklung erhalten können, aber sie sind diejenigen, die die meisten Schwierigkeiten bekommen würden wenn im Land eine wirtschaftliche Krise herrscht.

Die Integration in die Weltwirtschaft durch einen WTO-Beitritt würde den armen Menschen ihr Leben nur noch schwieriger und mühsamer machen. Die WTO kann zwar einige Vorteile für Vietnam bringen, aber gleichzeitig muss sich Vietnam vielen Herausforderungen stellen.

Vietnamesische Produkte werden nicht wie zuvor geschützt, Importprodukte werden in den vietnamesischen Markt drängen, der Dienstleistungssektor und Agrarsektor werden mehr für .ausländische Investoren geöffnet…die WTO ist kein perfektes Instrument.

 
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